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Bundesfreiwilligendienst - Zivis gehen, Bufdis kommen

  

Mit Aussetzen der Wehrpflicht zum 01. Juli 2011 gehört auch der Zivildienst der Vergangenheit an.

Das war der Start für den Bundesfreiwilligendienst. Die sog. "Bufdis" sind seitdem auf dem Vormarsch. Nach mehr als einem halben Jahr im Dienst ist es nun an der Zeit, ein erstes Resümee zu ziehen.

 

Zweifel weichen Zuversicht

Anfängliche Zweifel dahingehend, ob der Bundesfreiwilligendienst überhaupt auf Interesse stoßen werde, weichen stetig der Zuversicht: die Anzahl der Bufdis ist inzwischen auf fast 34.000 (Stand Februar 2012) gewachsen und noch immer steigt die Nachfrage. Der BFD ist ein großer Erfolg, er hat in Deutschland eine wichtige neue Möglichkeit für gesellschaftliches Engagement geschaffen.

 

Vorteile des Bundesfreiwilligendienstes auf Seiten der Bufdis und der Einsatzstellen

Viele junge Menschen nutzen den Freiwilligendienst, um die Wartezeit bis zum Beginn des Studiums sinnvoll zu überbrücken. Sie können sich im Rahmen ihrer Tätigkeit in den sozialen Einrichtungen fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen, die sie in ihrer späteren Ausbildung brauchen, v.a. erwerben sie aber soziale Kompetenzen, die ihnem weiteren Leben zugutekommen. Zunehmend weckt der Bundesfreiwilligendienst aber auch das Interesse der älteren Menschen, die im Ruhestand eine sinnvolle Betätigungsmöglichkeit suchen, und der Arbeitsuchenden. Letzteren kann der Freiwilligendienst den (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben erleichtern oder neue berufliche Perspektiven aufzeigen.

Die sozialen Einrichtungen ihrerseits profitieren davon, dass die Bufdis im Vergleich zu den Zivis vielseitiger einsetzbar sind:

  • Zum einen ist die Zeit des Freiwilligendienstes mit sechs bis 24 Monaten gegenüber dem zuletzt auf sechs Monate beschränkten Zivildienst i.d.R. deutlich länger. Somit ist eine tiefer gehende Einarbeitung möglich und auch sinnvoll.
  • Zum anderen ist ein wesentlich weiterer Tätigkeitsbereich für Bufdis eröffnet. So sind sie nicht nur im sozialen Bereich einsetzbar, sondern können auch Aufgaben im ökologischen und kulturellen Bereich, beispielsweise im Sport oder der Integration übernehmen, ebenso wie im Zivil- und Katastrophenschutz tätig werden.

 

Bedarfslücken müssen zurzeit durch Minijobber geschlossen werden

Einig ist man sich, dass der Bundesfreiwilligendienst kein Ersatz für den als Pflichtdienst ausgestalteten Zivildienst sein kann. "Nein, er ersetzt nicht diesen Dienst, er hilft aber, Lücken zu schließen", so Antje Mäder, Pressesprecherin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, ehemals Bundesamt für den Zivildienst.

Auch wenn die Zahl der Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst stetig zunimmt, zeigt sich schon jetzt, dass sich Bereiche wie z.B. die Altenpflege, Fahrdienste für kranke, alte oder behinderte Menschen, Essenauslieferungen und Bedienung des Hausnotrufes bei den Bufdis geringer Beliebtheit erfreuen. Hier fehlen die ehemaligen Zivis.

Zurzeit versuchen die sozialen Träger diese Lücke durch die Beschäftigung von Minijobbern zu schließen. Dauerhaft übersteigt dies jedoch die finanzielle Belastbarkeit der Einrichtungen. So gab bereits der Sprecher des Malteser Hilfswerks zu bedenken, dass man aus dem Bundesfreiwilligendienst aussteigen müsse, sollten sich in Zukunft in diesen Bereichen nicht mehr Freiwillige finden. In diesem Zusammenhang moniert auch Thomas Möltgen von der Caritas Köln, dass das Kontingent der Bufdis auf 35.000 Stellen pro Jahr limitiert ist und lediglich 35.000 Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr hinzukommen. Dies decke den Bedarf der sozialen Einrichtungen nicht ab.

 

Bufdis bei Städten und Gemeinden

Momentan besteht für die sozialen Einrichtungen jedoch noch nicht die Notwendigkeit, aus dem Bundesfreiwilligendienst auszusteigen. "Die aktuellen Zahlen belegen, dass sowohl die möglichen Einsatzstellen von Tag zu Tag mehr werden als auch das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an diesem Dienst enorm zunimmt", erklärte der Erste Vizepräsident des DStGB, Christian Schramm. Um diese Entwicklung zu unterstützen veranstaltete der DStGB die Aktionswoche "Bundesfreiwilligendienst - für meine Stadt" in seinen Mitgliedsstädten. Dabei wurden die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes - v.a. in kommunalen Stellen - in den Mittelpunkt gestellt, um so zahlreiche Bufdis für diese Einsatzstellen zu gewinnen.

Einsatzstellen bei Kommunen können u.a. in den Bereichen

  • "Soziales" (Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheits- und Altenpflege, Behindertenhilfe),
  • "Umwelt- und Naturschutz",
  • "Bildung" und
  • "Zivil- und Katastrophenschutz" entstehen.

 

Anerkennungsverfahren

Um Bufdis einsetzen zu können, müssen interessierte Stellen zunächst als "Einsatzstelle im Bundesfreiwilligendienst" anerkannt werden. Eine Ausnahme gilt lediglich für solche Einrichtungen, die bereits anerkannte Beschäftigungsstellen des Zivildienstes waren, die automatisch den Status einer anerkannten Einsatzstelle des Bundesfreiwilligendienstes haben.

Die Stellen müssen folgendes Verfahren durchlaufen:

1. Zuordnung zu einer Zentralstelle

Zunächst muss sich die Einrichtung einer Zentralstelle zuordnen. Die Zentralstelle fungiert als Mittler zwischen den Einsatzstzellen und dem zuständigen Bundesamt. Sie betreut die Einsatzstellen und vertritt deren Interessen gegenüber dem Bundesamt.

2. Antragsstellung

Sodann erfolgt die Antragsstellung beim Bundesamt. Der Antrag und die erforderlichen Unterlagen können über die Zentralstelle als Überprüfungsstation oder direkt an das Bundesamt geleitet werden.

3. Bescheidung

Nach Prüfung des Antrags erhält die Einrichtung schließlich den Bescheid über die Anerkennung oder Ablehnung des Antrags. Diese bezieht sich anfänglich immer nur auf eine einzelne Einsatzstelle.

Nach positiver Bescheidung kann die Einrichtung die von ihr zu besetzende Stelle beispielsweise bei der Platzbörse des Bundesfreiwilligendienstes anbieten. Das Bewerbungsverfahren liegt also im Verantwortungsbereich der Einrichtung selbst. Sie muss mit dem Interessenten über den konkreten Vertragsinhalt verhandeln und trifft die schriftliche Vereinbarung. Diese ist Grundlage für den zwischen Freiwilligem und Bundesamt zu schließenden Vertrages.

 

Voraussetzungen und Verpflichtungen der Einsatzstellen

Die Voraussetzungen der Anerkennung sind detailliert im Bundesfreiwilligengesetz und den entsprechenden Richtlinien festgeschrieben. Die Einrichtung muss sie im Anerkennungsverfahren nachweisen. Die Einrichtung muss sich im Grunde der Förderung des Gemeinwohls verschrieben haben. Ebenso wie die Tätigkeit des Bufdis dem Gemeinwohl dienen muss. Durch den Einsatz eines Bufdis darf die Beschäftigung hauptamtlichen Personals nicht gefährdet oder die Neubesetzung solcher Stellen verhindert werden. Trotz des unterstützenden Charakters der Tätigkeit, muss der Bufdi ausgelastet werden. Es muss sichergestellt sein, dass er fachlich betreut und angeleitet wird.

Von Interesse für die Städte und Gemeinden ist zudem, welche Verpflichtungen sie als Einsatzstelle gegenüber den Bufdis eingehen. Der Freiwillige erhält für seine Tätigkeit ein Taschengeld, dessen Höhe im Ermessen der Einsatzstelle steht, jedoch auf 330,- Euro begrenzt ist. Berufskleidung, Unterkunft und Verpflegung können dem Bufdi gestellt bzw. die betreffenden Kosten ersetzt werden. Hinsichtlich der Sozialversicherungen ist der Bundesfreiwilligendienst einem Ausbildungsverhältnis gleichgestellt. Die Einsatzstelle hat die Beiträge zur Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zu entrichten. Nach Abschluss des Dienstes ist dem Freiwilligen ein qualifiziertes Zeugnis zu erteilen.

Selbst tragen muss die Einrichtung die Sachleistungskosten für Verpflegung, Unterkunft etc. und ihre eigenen Verwaltungskosten.

Durch den Nachweis der übrigen Kosten können die Einsatzstellen Kostenerstattung beanspruchen

  • für jüngere, kindergeldberechtigte Freiwillige bis zu 250,- Euro
  • für Bufdis ab Vollendung des 25. Lebensjahres bis zu 350,- Euro.

 

Ausblick

Nach einem guten halben Jahr Bundesfreiwilligendienst muss zunächst ein durchaus positives Fazit gezogen werden! Aktuelle Informationen können Sie dem regelmäßig erscheinenden Newsletter des Bundesbeauftragten für den Zivildienst entnehmen.

Hier kann der Newsletter abonniert werden.

 

Lesen Sie mehr hierzu unter:

Internetseite des Bundesfreiwilligendienstes

Servicestelle des DStGB